Warum ich meinen Facebook-Account nicht lösche ...

by Michael Urspringer - 29.03.2018

Irgendwie kann ich den derzeitigen Hype um den "Daten-Skandal" bei Facebook nicht so recht nachvollziehen. Es war doch schon immer klar, dass Facebook möglichst viele Daten sammelt und diese möglichst gewinnbringend weiterverkauft. Das, und nur das, ist das Geschäftsmodell von Facebook. Jeder der einen Facebook-Account hat, sollte das eigentlich wissen und jetzt nicht plötzlich ganz schockiert sein. Auch wenn man nicht die Geschäfts- und Nutzungsbedingungen von Facebook gelesen hat, sollte das jedem klar sein. Man muss schon sehr blauäugig sein, wenn man denkt, eine Aktiengesellschaft wie Facebook macht das alles völlig kostenlos und ohne Gegenleistung der Benutzer.

Außerdem frage ich mich doch, warum das gleiche Geschrei nicht auch gegenüber den Diensten wie NSA, GCHQ, BND, BfV usw. zu hören ist. Deren Sammelwut ist spätestens seit Snowden auch zur Genüge bekannt und vor deren Sammelleidenschaft habe ich weit mehr Angst. Aber das interessiert irgendwie kein Schwein.

Ich habe jedenfalls einen Account bei Facebook und werde diesen bis auf weiteres auch aktiv nutzen. Warum? Ich finde es schön, wenn man mit Leuten in Kontakt bleiben kann, die man im "richtigen Leben" nur selten bis gar nicht trifft. Außerdem kann ich hier auch mal schnell Dinge teilen,  für die sich ein eigener Blogpost nicht lohnen würde. Und ich freue mich auch über Feedback zu Beiträgen, Bildern etc. Auf meinem Blog oder auf Flickr kommt das viel seltener vor.

Natürlich würde ich auch lieber ein anderes soziales Netzwerk nutzen, welches vielleicht nicht ganz so datenhungrig ist. Aber ganz ehrlich, es gibt einfach derzeit aus meiner Sicht keine sinnvolle Alternative. Das liegt vor allem daran, dass ein soziales Netzwerk nur Sinn macht, wenn möglichst viele Freunde und Bekannte dieses Netzwerk auch nutzen. Und Hand aufs Herz, wer kennt schon Ello, Path, Vero und wer hat dann auch noch einen Account dort?

Es ist ähnlich wie bei WhatsApp. Dort gibt es sogar ebenbürdige Alternativen (Signal zum Beispiel), aber bei Signal habe ich 5 Kontakte während es auf WhatsApp fast 60 sind. Und irgendwie mag keiner wechseln. Natürlich kann ich nun für mich alleine sowohl von Facebook zu XYZ wechseln anstatt WhatsApp nur noch Signal nutzen. Aber da stehe ich dann ziemlich alleine da und das macht dann irgendwie wenig Freude.

Vielleicht ändert sich das in Zukunft, dann wechsle ich gerne sofort, aber bis jetzt werde ich erstmal bleiben und die #deletefacebook-Kampagne erst einmal ignorieren ...

Ein paar Dinge sollte man aber beachten:

  • Beim Posten darauf achten, wer das Posting sehen kann. Und dies wirklich vor jedem Posting überprüfen und ggf. korrigieren. Ich sehe ganz oft Einträge, die der Benutzer sicher nicht öffentlich für alle posten wollte (besonders Bilder ...).

    Auch ich poste öfters Beiträge mit dem Sichtbarkeitsstatus "öffentlich". Dann aber ganz bewusst, damit auch Personen, die nicht auf meiner Freundesliste stehen und mich abonniert haben, die Beiträge sehen und kommentieren können.

    Öffentliche Beiträge Facebook können übrigens auch über den Link außerhalb von Facebook geteilt und gesehen werden inklusive aller Kommentare. Man muss dann nicht mal einen Facebook-Account besitzen. Das sollte man beachten, wenn man solche Beiträge kommentiert.

    Warum ich meinen Facebook-Account nicht lösche ...
  • Da Facebook in der Timeline in letzter Zeit immer mehr Dinge nach vorne spült, die mich nicht interessieren und andere Dinge dabei hinten runterfallen, habe ich mir eine Liste angelegt, in der alle Personen und alle Seiten enthalten sind, deren Beiträge mich wirklich interessieren. Diese Liste nutze ich über ein Bookmark als Startseite von Facebook. Das funktioniert auch auf dem Mobilgerät, in dem man auch dort Facebook über den Browser nutzt anstatt die Facebook-App zu nutzen (https://m.facebook.com).

    Damit sehe ich grundsätzlich alle Beiträge dieser Personen / Seiten in absteigender zeitlicher Reihenfolge und es geht nichts verloren. Außerdem hat das den Vorteil, dass man viel weniger abgelenkt wird, weil die Menge der Postings dann doch viel überschaubarer ist und weniger Grundrauschen hochgespült wird. Leider fehlen dort dann Beiträge aus den Facebook-Gruppen. Aber die Anzahl Gruppen versuche ich eh schon sehr überschaubar zu halten und schaue dann dort regelmäßig mal rein.

    Wenn ich mal mehr Zeit und Lust habe, schaue ich mir auch mal den Standard-Newsfeed von Facebook an und bekomme dann auch die Dinge mit, die laut Facebook für mich "wichtig" sind.Wie man eine Liste erstellt, ist hier erklärt.
  • Die Privatsphären-Einstellungen, die Facebook bietet, auch wirklich nutzen und regelmäßig überprüfen (ich werde die von mir genutzten Settings noch mal gesondert aufschreiben)
  • In Eurem Profil möglichst wenig Angaben machen und möglichst überall wo es geht die Freigabe-Einstellung "Nur ich" einstellen. Damit sollten diese Informationen nicht an Third-Party-Apps/Seiten weitergegeben werden.
  • Möglichst vermeiden bei Apps oder Webseiten den verlockenden "Mit Facebook einloggen"-Button zu nutzen. Es ist zwar schön einfach, weil man keinen eigenen Account erstellen muss, aber dafür bekommt die App  / Webseite auch  mindestens Zugriff auf Euer Facebook-Profil und meistens noch auf viel mehr Daten. Sollte sich das aus irgendwelchen Gründen doch nicht vermeiden lassen, weil es nur einen Facebook-Login gibt, dann entweder die App / Seite nicht nutzen oder zumindest bei der Bestätigungsseite zuerst den Haken für alle Daten entfernen, die man zum Entfernen angeboten bekommt. Siehe Beispiel:

    Warum ich meinen Facebook-Account nicht lösche ...Warum ich meinen Facebook-Account nicht lösche ...

 

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